








Bereits bei der Gründung der Kraichgau-Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Sinsheim, im Jahre 1986, gab es die gemeinsame Zielsetzung der Gesellschafter, neben den handwerklichen und industriellen Produktionsstätten auch Ganztagsarbeitsplätze im kreativen Bereich anzubieten. Die Lebenshilfe für geistig Behinderte e.V. Sinsheim und die GKA Heidelberg e.V. (Gemeinschaft zur Förderung sozialtherapeutisch-kretativer Arbeitsstätten für Behinderte) ermöglichten dadurch, dass im Verlauf weniger Jahre aus den anfänglich kunsthandwerklichen Arbeitsgruppen die „Kraichgauer Kunstwerkstatt“ entstehen konnte.
Neben der kunsthandwerklichen Arbeit konnte sich jeder mit den verschiedensten Materialien und künstlerischen Techniken auseinandersetzen und es bot sich die Gelegenheit Begabungen zu erkennen. Zunächst waren es acht Frauen und Männer, welche durch die außergewöhnliche Ausdrucksstärke und Originalität ihrer Arbeiten, wie auch der Eigenständigkeit beim schöpferischen Prozess auffielen. Sie sind die Gründungsmitglieder unserer kleinen Ateliergemeinschaft und verfolgen seither einen freien künstlerischen Ansatz bei dem es keine therapeutische Ziele oder kunstpädagogischen Unterricht gibt.
Im Mittelpunkt steht ausschließlich der einzelne Mensch mit seiner persönlichen Ausdruckskraft, seinen Möglichkeiten und Bedürfnissen. Es geht darum, eigene schöpferische Arbeit abseits akademischer Kunsttraditionen zu ermöglichen. Dabei spielt die individuelle und angemessene Betreuung eine bedeutsame Rolle. Spielerisch kann jeder zunächst seine Bedürfnisse formulieren, seine Themen besprechen und mit den verschiedensten Techniken und Materialien experimentieren, um letztlich zu einer ureigenen künstlerischen Ausdrucksweise zu gelangen.
Das Ambiente des Ateliers bietet allen ein wichtiges breites Spektrum von großer Geborgenheit, vielfältigen Kommunikationsmöglichkeiten und Ruhe für die konzentrierte Arbeit am eigenen Werk. Die mittlerweile neun Künstlerinnen und Künstler arbeiten hier sehr selbständig an ihren unterschiedlichen Projekten. Stoff für ihre bildnerischen Arbeiten besitzen sie in Fülle, es sind ihre ganz authentischen Erlebnisse, Träume und Phantasien.
Aus ihren Bildern lässt sich leicht die Vitalität und Lebensfreude, von der die Atelieratmosphäre geprägt, ist ableiten. In dieser freundschaftlichen Umgebung wird viel über die in der Regel sehr persönlichen Themen gesprochen. Es kommt häufig vor, dass dadurch Bildthemen in verschiedenen Varianten von anderen Ateliermitgliedern übernommen werden.
Mittlerweile sind die Künstlerinnen und Künstler zu selbstbewussten Persönlichkeiten herangereift. Ihre Arbeiten wurden bisher in vielen Städten innerhalb Deutschlands, Belgiens, der Niederlande, Österreichs, der Schweiz sowie der Slowakischen Republik gezeigt und sind dort in verschiedenen Museen, Galerien und öffentlichen Sammlungen vorwiegend für Art Brut, Outsider Art und Naiver Kunst vertreten.
Besonders zu erwähnen sind das Museum Hans Cajeth in Heidelberg, die „Collectie De Stadshof“ im Genter Museum Dr. Guislain (Belgien) sowie die Galerie Hamer in Amsterdam.